BNP Paribas: Vorsicht weiterhin angebracht
Die Feld verkündete, die Leitzinsen für einen längeren Zeitraum niedrig halten zu wollen. Gleichzeitig gab sie ihre Absicht bekannt, Rückzahlungen aus mit Hypotheken besicherten Wertpapieren und Schuldverschreibungen der Hypothekenfinanzierer (agency debt) in länger laufende Staatsanleihen investieren zu wollen und gab damit zu verstehen, dass sie ihre stark stimulierende Geldpolitik weiterführen wird. Renditen für zweijährige Staatsanleihen liegen weiterhin knapp über 0,5%. Die neuesten Konjunktur- daten aus den USA waren enttäuschend. Das Vertrauen von Industriellen, Kleinunternehmern, Wohnungsbaugesellschaften und Verbrauchern war im Juli weiterhin rückläufig. Seit dem Auslaufen der Steuervergünstigung für die Erwerber neuer Eigenheime entwickelte sich der Wohnungsmarkt schleppend. Im Juli verlor die amerikanische Wirtschaft 131.000 Stellen. Im privaten Sektor wurden in den letzten drei Monaten durchschnittlich 51.000 Stellen geschaffen. Das reicht jedoch nicht aus, um ausreichend Arbeitsplätze für die zunehmende Erwerbs- bevölkerung zu schaffen und die Arbeitslosenrate zu senken. Das BIP- Wachstum war im zweiten Quartal mit 2,4% im Vergleich zum Vorquartal auf das Jahr hochgerechnet rück- läufig und die wirtschaftliche Erholung ist trotz massiver Stimuli verhaltener als es in dieser Phase zu erwarten wäre. Treibende Kräfte für das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal waren Staatsverbrauch, Investitionen in Unternehmen und Wohnimmobilien sowie das Aufstocken der Vorräte. Es muss jedoch mit einem Rückgang aller dieser Faktoren gerechnet werden. Das Konsumwachstum war schwach und der Außenbeitrag wirkte stark belastend. Unserer Ansicht nach wird das Wirtschaftswachstum in den USA nachlassen, wobei wir sogar ein Quartal mit einem negativen BIP-Wachstum für möglich halten. Dennoch rechnen wir nicht mit einer Rezession. Es sind keine staatlichen Sparmaßnahmen geplant (obwohl das Auslaufen des Konjunkturprogramms zu einer geldpolitischen Straffung führen wird). Obwohl dieFrühindikatoren rückläufig sind, liegen sie weiterhin deutlich über dem Rezessionsniveau. Es wurden bereits deutliche Korrekturen nach unten vorgenommen (Investitionen in Wohnimmobilien, Unternehmensinvestitionen, Beschäftigungsquote, Wohnungspreise, Wohnungsbau), so dass weitere Anpassungen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht notwendig sind. Es gibt auch einige positive Zeichen. Unternehmen erzielen hohe Gewinne und die Unternehmensinvestitionen erholen sich. Die dadurch bedingte Zunahme neu geschaffener Stellen trägt dazu bei, einen Ausgleich für das schleppende Einkommenswachstum zu schaffen. Der Außenbeitrag könnte von positiven Entwicklungen in Asien und Europa profitieren. Nach positiven Signalen der Einkaufsmanagerindizes und des deutschen Ifo-Index, stieg der Geschäftsklimaindex auf seinen höchsten Stand seit März 2008, mit einem erwarteten Wirtschaftswachstum von um die 2% im Vorjahresvergleich. Der Widerspruch zu den rück- läufigen amerikanischen Konjunkturbarometern lässt sich dadurch erklären, dass die Eurozone der amerikanischen Wirtschaft weiterhin um ein bis zwei Quartale hinterher- hinkt. Ebenfalls positiv ist, dass die Kreditvergabe an den privaten Sektor weiterhin anstieg (um 4,8% im Vorjahresvergleich). Der Industriesektor zeigt sich robust (vor allem in Deutschland, wo Industrieaufträge im Juni mit 24,5% im Vergleich zum Vorjahr einen rasanten Anstieg verzeichneten und die Industrieproduktion um 11,4% anstieg). Doch die Eurozone kann sich nicht allein auf die deutsche Industrie als Motor einer wirtschaftlichen Erholung verlassen, die bis jetzt vor allem durch das Aufstocken der Lagerbestände, d.h. einen nicht nachhaltigen Faktor, getragen wurde. Obwohl die Einkaufsmanagerindizes in zahlreichen asiatischen Ländern rückläufig waren, sehen wir hierin kein Anzeichen für einen starken Rückgang sondern vielmehr für eine Mäßigung des Wirtschaftswachstums. In den meisten asiatischen Volkswirtschaften hatten Industrieproduktion und Ausfuhren extrem stark zugenommen. Diese Entwicklung wird sich jedoch verlangsamen, da das Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten nachlässt und Basiseffekte abklingen. Das Inlandsgeschäft bleibt jedoch weiterhin stark. Das Wachstum der Einzelhandelsumsätze in China hat sich bei ca. 17% eingependelt, während die Industrieproduktion in vielen Ländern derzeit im Bereich zwischen 10-20% zunimmt. Das Wachstum chinesischer Einfuhren ließ deutlich nach, was auf eine Abkühlung der Binnenwirtschaft hindeuten könnte. Obwohl dies genau die Entwicklung ist, die die chinesische Regierung angestrebt hat, rechnen wir nicht mit einer ausgeprägten Verlangsamung, da die zuvor verzeichnete starke Zunahme der Einfuhren durch den Auffüllbedarf der Rohstoffbestände bedingt war. China verzeichnet nach wie vor ein starkes Geldmengenwachstum, gute Einzelhandelsumsätze und eine hohe Industrieproduk- tion. Bei Aktien aus Industrieländern gegenüber Bargeld sind wir weiterhin neutral positio- niert. Der Rückenwind für Gewinne flaut ab und der globale Konjunkturausblick bleibt weiterhin sehr unsicher. Bei Aktien geben wir weiterhin Aktien aus Schwellenländern den Vorzug gegenüber Aktien aus Industriestaaten, auch wenn deren Outperformance möglicherweise begrenzt ist. Bei Aktien aus Industriestaaten bevorzugen wir ameri- kanische und britische Aktien. Europäischen und japanischen Aktien gegenüber sind wir neutral eingestellt. Bei Aktien aus Schwellenländern bevorzugen wir China, Korea und Russland, während wir Brasilien und Indien untergewichtet haben. Bei Anleihen setzen wir auf hochverzinsliche Anleihen, da diese Anlageklasse von einer niedrigen Inflationsrate profitiert und der wirtschaftliche Ausblick nicht pessimistisch genug ist, um weitere Kreditausfälle erwarten zu lassen. Bei Staatsanleihen und Anleihen des Investment-Grade-Segments sind wir neutral positioniert. Bei Rohstoffen haben wir lediglich Gold übergewichtet, während wir bei Erdöl, Grundmetallen und landwirtschaft- lichen Rohstoffen neutral positioniert sind.
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